Kapverden – warum das Inselarchipel wie geschaffen für Fotoreisen ist

Fogo-Vulkan

Gastbeitrag von Gerhard Schellmann

Dieses Licht! Diese Farben! Diese Menschen! Für Reisefotografen ist das Inselarchipel vor der Westküste Afrikas ein wahres Bilder-Paradies. Jede der 15 Inseln ist anders, und an nur wenigen Orten der Welt liegen totale Einsamkeit und lautstarkes Treiben so dicht beieinander wie auf den Kapverden. Ob endlose, weiße Sandstrände, schroffe Gebirgswelten, wilde Vulkanlandschaften oder Fischerdörfchen mit bunten Häuserfassaden – Fotofreunde finden hier eine endlose Vielfalt an unvergleichlichen Motiven. Die touristisch noch relativ unerschlossene Inselgruppe ist wie geschaffen für persönliche Entdeckungsreisen mit der Kamera. Einige Orte sollte man sich allerdings auf keinen Fall entgehen lassen.

Die Farbenpracht um den Vulkan von Fogo

Die Insel Fogo besteht eigentlich aus einem einzigen großen Vulkan, der als spitzer Kegel knapp 3000 Meter in den Himmel ragt. Die Besteigung des Pico de Fogo ist ein Abenteuer für sich und ist trotz der Anstrengung ein Erlebnis, das man so schnell nicht wieder vergessen wird. Bizarre Steinformationen, rot-schwarze Lavafelder, zerklüftete Landschaften und gelbschattige Schwefelschwaden lassen die Umgebung surreal wirken. Auf Fogo zeigt sich einmal mehr, wie sehr Naturgewalten das Schöne und das Schreckliche miteinander vereinen. Ohne den Vulkan, der erst im Dezember 2014 ausgebrochen ist, gäbe es keinen fruchtbaren Boden. Und doch richtet er immer wieder ein grausames Ausmaß an Zerstörung an. Wer den Vulkan erklimmt, vor dem Abgrund des Kraters steht und schließlich ganz oben angekommen in die weite Ferne blickt, wird ungeahnte Gegensätze vorfinden. Hinzu kommt die unverwechselbare Farbenpracht des Gesteins, welche jedes Fotografen-Herz unvermittelt höher schlagen lässt. Man muss sich schon zwingen, die Kamera für einen Moment nicht anzurühren, um die Welt von Fogo in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Endlose Strände und gespenstische Schiffswracks auf Boa Vista

Boa Vista, die drittgrößte Insel des Archipels, wird nicht umsonst als „Perle der Kapverden“ bezeichnet. Hier gibt es die längsten, schönsten und auch vielerorts noch die einsamsten Strände des Atlantiks. Durchschnittlich scheint die Sonne an 350 Tagen im Jahr mit voller Kraft auf die Insel. Besonders morgens und am späten Nachmittag könnte das Licht nicht besser sein, um Fotos zu schießen, die direkt aus einem Sehnsuchtskalender entsprungen sein könnten. Denn genau dann lässt sich das Funkeln des türkis-blauen Meeres, welches sich an das strahlende Weiß des Strandes schmiegt, am Eindrucksvollsten mit der Kamera einfangen. Für wunderschöne Kontraste sorgen übrigens auch die buntbemalten Fischerboote, die hier und da sanft im Ozean schaukeln.

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Im Norden der Insel liegt das riesige, vor sich hinrostende Schiffswrack der „Cabo Santa Maria“ in der Brandung. Ein Fotomotiv, das selbst unter strahlend blauem Himmel düster wirkt. So richtig gespenstisch wird es, wenn man das Wrack in den Abendstunden fotografiert. Ein blutroter Himmel und eine leicht schäumende Brandung lassen Bilder entstehen, die jedem Betrachter einen Schauer über den Rücken jagen.

Die magische Landschaft von Santo Antao

Während Boa Vista eine trockene Wüsteninsel ist, wird man überrascht sein, wie viel auf der gerade mal 265 Kilometer entfernten Insel Santo Antao wächst und blüht. Niemand würde hier auf die Idee kommen, faul am Strand rumzuliegen. Stattdessen wird gewandert. Auf verschlungenen Pfaden, vorbei an Zypressen-, Pinien- und Eukalyptuswäldern, geht es entlang menschenleerer Steilküsten Richtung Irgendwo. Es rieht nacht Zuckerrohr und Honig und jede aufsteigende Rauchsäule dient als Wegweiser zur nächsten Schnapsdestillerie. Man mag sich ein wenig an die magisch-verwunschene Kulisse des Erfolgsfilms „Avatar“ erinnert fühlen, wenn über der sattgrünen, zerklüfteten Tropenlandschaft leichter Nebel aufsteigt, der die Berge im Hintergrund in einen blauen Schimmer taucht. Gleichzeitig bekommt man einen Eindruck davon, wie eine von Menschenhand nahezu unberührte Natur aussehen mag. Auf Santo Antao einstehen Fotos, die das Raue, Schwere, Schöne und die Tiefe der Kapverden abbilden. Für Tierfotografen ist übrigens im Januar bzw. Februar die beste Zeit. Dann richten viele Zugvögel auf Santo Antao ihr Winterquartier ein.

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Mit Freude das einfache Leben meisten – die Kapverdianer

Die fröhlichen, pastellfarbenen Häuserfassaden, die bunten Fischerboote, die melancholische und doch so lebenbejahende Musik lassen erahnen, dass die Einheimischen ganz besondere Menschen sein müssen. Und wie sie das sind! In Sachen Offenherzigkeit, Gelassenheit und Gastfreundschaft könnte sich so manch Europäer eine Scheibe abschneiden. Da wäre noch etwas: Ihre einzigartige Schönheit. Nicht selten entdeckt man Kapverdianer mit blitzblauen Augen, blonden Haaren und dunkler Haut, was ihrer Geschichte zu verdanken ist. Bis ins 15. Jahrhundert hinein waren die Kapverdischen Inseln völlig unbewohnt. Das änderte sich erst, als die Portugiesen das Inselarchipel für sich beanspruchten, um dort Handels- und Militärstationen einzurichten.
Von Beginn an haben sich alle erdenklichen Ethnien hier vermischt, sodass den Einwohnern Differenzdenken aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft völlig fremd sind. Schon allein wegen ihrer positiven Ausstrahlung, hat man Freude daran, die Kapverdianer zu fotografieren. Und sie lieben es wiederum, sich für ein Foto ordentlich in Szene zu setzen. Dennoch sollte man immer vorher um Erlaubnis fragen und nicht auf die Idee kommen, die Bevölkerung in ihrer Armut zu fotografieren. Auch wenn auf den Kapverden weiterhin großer Mangel an fast allem herrscht, ist es gerade ihr Stolz und ihre Liebe zur Heimat, aus denen die Bevölkerung ihre Lebensfreude schöpft. Sie auszunutzen, wäre nicht nur gegen die Fotografenehre.

Gerhard Schellmann von reisetraeume.de ist ein deutschsprachiger Reiseveranstalter, welche seit 12 Jahren auf den Kap Verden wohnt und sich besonders auf nachhaltigen Tourismus vor Ort spezialisiert hat .Er trägt unter anderem dazu bei, dass aus der einzigartigen Inselgruppe eben keine austauschbare Betonwüste mit separatem Strandzugang wird. Eine wichtige Voraussetzung für unverwechselbare Reisefotos. 

Alle Fotos Copyright Reisetraeume Kapverden

Stefano Paterna
Stefano Paterna
Reisefotograf aus Leidenschaft, Autor und Dozent. Er gibt sein Wissen und seine Erfahrungen an Hobbyfotografen weiter – in Fotokursen vor Ort und auf ausgewählten Fotoreisen. Autor der Bücher Urbane Fotografie und Die Fotoschule in Bildern - Fotografieren auf Reisen.

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