Landschaftsfotografie

 
Landschaftsfotografie: Schöne Landschaften ziehen Menschen in ihren Bann und oftmals ist die Einzigartigkeit und Attraktivität einer Landschaft gerade der Grund, warum wir eine bestimmte Gegend als Reiseziel auswählen. Für den Fotografen stellt sich nun die Aufgabe, eine Landschaft, die vom Betrachter vor Ort als überwältigend wahrgenommen wird und tiefe Gefühle auslöst, so einzufangen, dass diese Emotionen auch beim Betrachten einer zweidimensionalen Aufnahme entstehen. Das ist in der Regel gar nicht so einfach, aber auch hier bewahrheitet sich einmal mehr: Übung macht den Meister.
 

Reisevorbereitung

Für die Landschaftsfotografie gibt es eigentlich keine schlechte Jahreszeit, denn jede bietet ihren eigenen Reiz. Trotzdem gibt es Monate an denen bestimmte Landschaften fotografisch reizvoller erscheinen. In der Toskana beispielsweise ist zum einen der Frühling in den Monaten April und Mai mit den blühenden Landschaften und azurblauem Himmel sehr reizvoll. Grüne Wiesen mit leuchtend roten Mohnblumen erlauben kontrastbetonte Aufnahmen. Zum anderen übt der Herbst in den Monaten September und Oktober mit überwiegend goldbraunen Farben und stimmungsvollen Frühnebel eine für Fotografen besondere Anziehungskraft aus.

Bevor Sie nun erwartungsvoll in den Flieger steigen, beginnt mit dem Erarbeiten der Motivideen und der Location-Recherche zu Hause ein ganz wichtiger Teil der Vorberatung. Um sich zu eigenen Motiv- und Bildideen inspirieren zu lassen, sind zum Beispiel Bildbände des jeweiligen Landes oder einer ganz bestimmten Region sehr gut geeignet. Auch in Fotografieforen erhalten Sie nützliche Hinweise, die darüber hinaus vielleicht auch noch spezielle fotografische Tipps bieten. Wenn Sie noch vor Ort über lohnende Motive recherchieren wollen, dann bieten sich natürlich Touristeninformationen an, die viel Bildmaterial in Form von Broschüren, Flyern und Prospekten haben. Auch der Postkartenständer gibt einen guten Eindruck davon, welche Sehenswürdigkeit auch in fotografischer Hinsicht lohnend ist – natürlich dürfen Sie hier keine Insidertipps für Motive abseits der touristischen Wege erwarten. Aber Postkartenmotive können gute Ausgangspunkte für eigene Entdeckungstouren sein.

Desto besser Sie sich auf die optimalen Standpunkte für die Fotoaufnahmen vorbereiten, desto einfacher werden Sie es dann vor Ort haben. Denn in der Landschaftsfotografie gibt es nur selten die Schilder mit dem Hinweis „Bitte hier hin stellen zum Fotografieren“. Google und Google Maps sind große Helfer beim Auffinden spezieller Fotostandpunkte. Snapp Guides ist eine App für das Smartphone, die Fotografen für einige Städte und Regionen die besten Fototipps, inklusive genauer GPS Koordinaten, liefert. Ich habe für Snapp Guides zum Beispiel die Location Köln produziert. Beim Auffinden schöner Plätze und fotogener Motive sollten Sie ruhig auch mal selbst einen Guide oder eine Fototour buchen. Das Internet bietet die Möglichkeit nach Guides zu recherchieren – unter anderem hat sich das Portal Tripadvisor für mich als wahre Fundgrube von guten Guides aufgetan. Es muss aber nicht immer ein professioneller Guide sein. Es kann sich auch um einen Bekannten von einem Bekannten handeln, der dort lebt und sich auskennt. Diese zeigen Besuchern oftmals sehr gerne den eigenen Ort. Zeigen Sie sich erkenntlich, und laden Sie sie zu einem guten Abendessen ein.

 
 

Grauverlaufsfilter

Wie wichtig ein interessanter Vordergrund für eine Landschaftsaufnahme sein kann, werde ich Ihnen weiter unten genau erklären. Damit bestimmte Aufnahmen aber auch technisch gelingen, ist in der Landschaftsfotografie oftmals ein Grauverlaufsfilter notwendig. Diese werden eingesetzt, um eine gleichmäßige Abdunkelung im Bild zu erzielen, also um eine Überbelichtung in einem Teil des Bildes zu vermeiden. In der Landschaftsfotografie werden sie häufig verwendet, um eine Überbelichtung des Himmels bei korrekter Belichtung des Bodens zu verhindern. Die im Handel angebotenen Filter haben eine neutralgraue Färbung, die zu einem Ende hin ganz transparent wird. Sie sind in unterschiedlicher Stärke und mit unterschiedlichem Verlauf (weich/hart) erhältlich. Weich oder hart bezeichnet den Übergang vom dunklen zum klaren Bereich des Filters. Bei einem ungleichmäßigen Horizont ist ein weicher Übergang empfehlenswert. Einen Filter mit hartem Übergang sollten Sie eher bei einem gleichmäßigen Horizont einsetzen.

 
 
Welchen Filter Sie in welcher Situation benutzen, hängt natürlich immer von den aktuellen Bedingungen ab, die Sie vor Ort vorfinden. Sind die Kontrastunterschiede zwischen dem Vordergrund und dem Himmel sehr stark, brauchen Sie einen stärkeren (einen dunkleren) Verlaufsfilter.
 





Grauverlaufsfilter an der Kamera. Der Verlauf von dunkel (oben) zu hell (unten) ist deutlich zu erkennen.

 





Graufilter werden auch als Schraubfilter angeboten und Polarisationsfilter beinahe nur noch als Schraubfilter (links). Grauverlaufsfilter machen nur als Steckfiltersystem (rechts) Sinn.

 
Grauverlaufsfilter machen nur als Steckfilter mit einem Filterhalter wirklich Sinn. Das ist ganz logisch, denn Sie müssen je nach Komposition den Verlauf nach oben oder unten anpassen können. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich der Grauverlauf auch nachträglich am Computer simulieren. Ist der Himmel aber so überbelichtet, dass keine Details mehr zu erkennen sind, dann lässt sich auch später in der Bildbearbeitung nichts mehr retten.
 

Polarisationsfilter

Sobald Licht auf eine Oberfläche trifft, werden Teile der Strahlen in alle Richtungen zerstreut und somit »depolarisiert«. Die Folge sind reduzierte Farbsättigung und Reflexe und Lichtflecken auf glänzenden Oberflächen. Mit Hilfe des Polarisationsfilters (kurz: Polfilter) lässt sich dieser Effekt reduzieren, da er nur die aus einer Richtung eintreffenden Lichtstrahlen in das Objektiv erlaubt und dadurch das unpolarisierte Licht blockiert. Mit dem Blick auf Motive bedeutet das, dass Sie mit einem Polfilter bei Landschaftsaufnahmen das Himmelsblau und den Kontrast zu weißen Wolken verstärken können. Lichtreflexe auf natürlichen Oberflächen werden reduziert, sodass Sie zum Beispiel Wasserspiegelungen weitgehend reduzieren und die Farbsättigung klären und erhöhen können.
 
 
 
Die Handhabung des Polfilters ist recht einfach: Der Filter wird auf das Objektiv geschraubt, und durch langsames Drehen erkennen Sie die Wirkung gleich im Sucher. Im Grunde funktioniert der Polfilter wie eine Sonnenbrille: Sie fühlen sich nicht geblendet, die Farben wirken satter, und die Strukturen sind kontrastreicher. Eine Streulichtblende erfüllt hingegen eine ähnliche Aufgabe wie eine Mütze, die Sie bei Sonnenschein tragen: Sie hält Ihnen die Sonne aus den Augen.
 
 

Räumliche Tiefe erzielen

Flach wirkende Landschaftsaufnahmen geben den Eindruck vor Ort nicht gut wieder und sind wenig lebendig. Ein starkes Motiv im Vordergrund verleiht Ihrem Bild dagegen Tiefe und Dreidimensionalität – das ist für eine gelungene Landschaftsaufnahme ungemein wichtig. Objekte im Vordergrund erscheinen auf dem Bild viel größer als entfernte Bildobjekte.
 
 
Damit Sie Ihrem Bild eine dreidimensionale Wirkung verleihen können, brauchen Sie nicht nur ein Objekt im Vordergrund, sondern auch das richtige Objektiv. Mit Hilfe eines Weitwinkelobjektivs erreichen Sie, dass das oder die zentralen Motive im Vordergrund optisch größer wirken. Weitwinkelobjektive strecken die Perspektive, wodurch nahe Bildelemente noch näher erscheinen. Entfernte Bildelemente erscheinen hingegen viel weiter entfernt und treten verstärkt in den Hintergrund.

Ein flacher Blickwinkel verstärkt diesen Effekt, da der Vordergrund stärker ins Gewicht fällt. Eine Brennweite von 24 bis 28 mm (bezogen auf einen Sensor im Kleinbildformat) reicht in den meisten Fällen aus, um viele Details im Vordergrund hervorzuheben. Durch den Einsatz eines Weitwinkels können Sie aber gleichzeitig auch einen weit entfernten Hintergrund als Bildelement aufnehmen.

 
 
Am besten lässt sich die räumliche Tiefe in einem Bild erreichen, wenn Sie einen Vordergrund, einen Mittelteil und einen Hintergrund haben. Grundsätzlich kann alles Mögliche als interessanter Vordergrund dienen: zum Beispiel Boote, Steine, Felsen, Blumen, Menschen oder Treibholz.

 
 

Natürliche Linienführung

Sie sollten Ihre Fotos so aufbauen, dass der Blick des Betrachters nicht im Bild herumirren muss. Suchen Sie nach Linien oder Formen im Bild – real oder gedanklich –, die den Blick lenken, Ihrem Foto Struktur geben und den Betrachter nicht raten lassen, worum es hier geht. Im hier gezeigten Beispiel ist es eine reale Linie, nämlich der Weg, der dem Blick eine klare Richtung vorgibt: Erst in das Bild hinein und dann den von Zypressen gesäumten Weg folgend zum Landhaus.
 
 
Linien stellen ein grundlegendes Gestaltungselement der Bildkomposition dar. Sie können ein Ausgangspunkt für die weitere Erkundung des Bildes oder ein Hauptbestandteil des Motivs sein. Es ist auch möglich, einem Bild mit Wegen eine allgemeine Stimmung zu verleihen. In diesem Fall folgt der Blick dem mittig gelegenen Weg auf die linke Bildseite und nimmt dann der natürlichen Hügelform folgend eine Wendung nach rechts zum Landhaus.

Bei anderen Bildkompositionen können solche Hilfslinien den Blick aber auch aus dem Bild herausführen – es kommt darauf an, welche Bildwirkung bzw. Blickführung gewünscht ist. Bei einem zweidimensionalen Foto lässt sich durch eine geschickte Perspektive und Linienführung eine dreidimensionale Wirkung erzielen, die das Bild für den Betrachter interessant macht.

 

Goldener Schnitt und Drittelregel

Die Gestaltung nach der Regel des Goldenen Schnitts ist bereits seit der Antike bekannt und hat nach wie vor nichts an seiner Bedeutung verloren. Nutzen Sie daher den Goldenen Schnitt und bringen Sie damit Ruhe und Harmonie in Ihre Bilder.

Anfänger in der Fotografie sind dazu geneigt, das Motiv immer in der Bildmitte zu platzieren. Der zentrale Autofokuspunkt bei den meisten Kameras trägt leider seinen Teil dazu bei. Das kann unter Umständen funktionieren, aber in der Regel wirkt das Bild harmonischer oder auch interessanter, sobald das Hauptmotiv aus der Bildmitte heraus nach rechts, links, oben oder unten auf eine der Teilungslinien nach dem Goldenen Schnitt verschoben wird. Der Goldene Schnitt beruht auf der Grundlage, dass die Aufteilung einer Fläche oder Strecke immer dann besonders harmonisch wirkt, wenn sie im ungefähren Verhältnis 3:5 (genau 13:21) bzw. – in Prozentzahlen ausgedrückt – wenn eine Teilung bei 61,8 % zu 38,2 % erfolgt.
 
 
Die genaue mathematische Formel dazu spare ich mir an dieser Stelle, denn ich bin der Meinung, dass sie für die Praxis nicht entscheidend ist. Vielmehr ist es entscheidend, wichtige Bildelemente auf einer Schnittlinie zu platzieren. Das Bild wird dabei vertikal, aber auch horizontal geteilt. So erhalten Sie eine Bildaufteilung mit Hilfe von vier Linien.

Bei der Teilung des Bildes im Verhältnis des Goldenen Schnitts entstehen vier Kreuzungspunkte. Diesen Kreuzungspunkten wird nun eine besonders wichtige Bedeutung zugesprochen. Wichtige Bildelemente bzw. ein wichtiges Motiv im Bild sollte genau auf einen dieser Kreuzungspunkte gelegt werden, damit eine besonders harmonische Wirkung erzielt wird.

Drittelregel

Eine weitere Bildgestaltungsregel, die sich im Umfeld des Goldenen Schnittes befindet, ist die Drittelregel. Während sich der Goldene Schnitt primär auf zwei sich im Bild gegenüberstehende Teile bezieht, so konzentriert sich die Drittelregel vor allem auf eine Einteilung der Bildfläche in drei übereinanderliegende bzw. nebeneinanderliegende, gleichgroße Bildbereiche. Übereinanderliegende Bildbereiche werden oft den drei Bildebenen Vordergrund, Mittelbereich und Hintergrund zugeordnet.

Aus der Dritteleinteilungen des Bildes in Breite und Höhe entstehen, wie beim Goldenen Schnitt vier Kreuzpunkte. Diese eignen sich ganz besonders für die Platzierung wichtiger Bildmotive. Diese Kreuzpunkte weichen in ihrer Position nur geringfügig von deren Positionierung des Goldenen Schnitts ab. Bei dem Teilungsverhältnis der Strecken und Flächen ergibt sich jedoch eine deutliche Abweichung von den Verhältnissen des Goldenen Schnittes.

 
 

Goldener Schnitt oder Drittelregel

Das Verhältnis des Goldenen Schnittes unterscheidet sich von der Drittelregel nicht gerade bedeutend. Der Unterschied liegt darin, dass es bei der Drittelregel um die Aufteilung in Ebenen geht, beim Goldenen Schnitt geht es um die Gestaltung von Proportionen.

Letztendlich ist es egal, welche der beiden Gestaltungsregeln Sie anwenden. Sie müssen nicht das Maßband oder eine Formel einsetzen, denn entscheidend ist vielmehr, dass Bildern in der Regel guttut, wenn das Hauptmotiv nicht in der Mitte liegt. Mit einer Platzierung außerhalb der Mitte können Sie für mehr Harmonie und Ausgewogenheit, aber auch Spannung im Bild sorgen.

Das Hochformat in der Landschaftsfotografie

Aufgrund unserer natürlichen Sichtweise - unsere Augen stehen schließlich nebeneinander und nicht übereinander - tendieren wir dazu, im Querformat zu fotografieren. Auch die Bauweise der Kamera kommt dem Fotografieren querformatiger Aufnahmen entgegen, zudem befindet sich der Auslöser rechts oben am Gehäuse. Hinzukommt, dass der Monitor zu Hause normalerweise ebenfalls Querformat hat. Das Kameradisplay ohnehin. Das Hochformat wird in beiden Fällen nur verkleinert dargestellt und macht dadurch die Betrachtung schon schwieriger.

 
 
Ich aber schlage Ihnen vor: Brechen Sie doch zwischendurch diese Regel. Es gibt ausreichend Bildkompositionen, bei denen das Hochformat bei Landschaftsaufnahmen ein mindestens ebenso interessantes Bild liefert. Durch eine stärkere Neigung der Kamera nach vorne betonen Sie zudem den Vordergrund, was zu einer größeren Tiefenwirkung führen kann. Seit einiger Zeit habe es mir zur Gewohnheit gemacht, bei vielen Motiven einfach die Kamera zu drehen und zu sehen, wie sich die Wirkung verändert. In einigen Situationen hat sich gezeigt, dass es sich wirklich lohnt und das Bild eine stärkere Dynamik erhält und dadurch viel interessanter wirkt. Probieren Sie es einfach mal aus.

Stimmung im Bild

Sie haben weiter oben über die richtige Vorbereitung gelesen, wie wichtig der Einsatz von Verlaufsfiltern in der Landschaftsfotografie sein kann und wie Sie eine harmonische Bildkomposition erzielen.

Aber das allerwichtigste in der Landschaftsfotografie ist das Licht. Wenn Sie keine passende Lichtsituation vorfinden, dann macht der ganze vorangegangene Text keinen Sinn. In der Landschaftsfotografie steht die Vermittlung einer ganz bestimmten Stimmung an erster Stelle. Gerade früh morgens aber auch am Abend zur sogenannten Goldenen Stunde finden Sie in der Regel gutes Licht für die Landschaftsfotografie vor. Die Goldene Stunde beschreibt die Zeit kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang. Normalerweise dauert diese Zeit je nach geografischer Lage zwischen 10 und 60 Minuten.

 
 
Eine besondere Atmosphäre in den Bildern zu schaffen stellt eine immer wiederkehrende Herausforderung dar. Eine gute Chance dazu bietet sich auch morgens, wenn Frühnebel noch die Landschaft bedeckt. Grundsätzlich sollten Sie schon vor Sonnenaufgang bei der Location sein. Im Herbst haben Sie größere Chancen auf Frühnebel als im Sommer.

 

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Stefano Paterna
Stefano Paterna
Reisefotograf aus Leidenschaft, Autor und Dozent. Er gibt sein Wissen und seine Erfahrungen an Hobbyfotografen weiter – in Fotokursen vor Ort und auf ausgewählten Fotoreisen. Autor der Bücher Urbane Fotografie und Die Fotoschule in Bildern. Fotografieren auf Reisen. Folgen Sie auf Facebook Instagram

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